Wo Frauen sich heute immer noch in vielen Bereichen stark durchsetzen müssen, sind es in der Grundschule eher die Jungen, die Nachhilfe in Sachen Emanzipation bräuchten. Denn dass Jungen häufig schlechtere Noten als Mädchen haben, hat den Grund, dass Jungen im Kindergarten und der Grundschule oft stark benachteiligt werden. Jungen brauchen bei der Sprachentwicklung bereits vor dem Erhalt der Zuckertüte etwas länger, als Mädchen und benötigen auch in der Schule beim Lernen mehr Zeit, die ihnen jedoch kaum zur Verfügung steht. Zudem haben Jungen einen höheren Bewegungsdrang als Mädchen und werden von meist weiblichen Lehrern dann gern als Zappelphilipp oder Unruhestifter bezeichnet, wenn sie nicht still auf dem Stuhl sitzen bleiben. Außerdem haben sie Schwierigkeiten damit, lange Texte vor Klassenkameraden vorzulesen und würden sich lieber erst einmal an kürzeren Texten versuchen.
Probleme beim Lesen und Schreiben haben die Jungen vor allem auch, weil sie andere Wörter mögen, als die Mädchen. Sie können Begriffe, wie Höhle, Gespenst, Fußball und Computer viel besser schreiben, als die Mädchen, die Wörter, wie Blume oder Sonne vorziehen. Doch sollen die Kinder beim geschlossenen Plissee Rollo im Klassenzimmer Diktattexte aufschreiben, dreht sich der Inhalt dieser häufig um „Mädchenthemen“. Dann heißt es ungefähr so: „Die liebe Sonne scheint“, womit die Jungs einfach nichts anfangen können. Besser wäre es, wenn sich die Themen nicht immer nur auf Mädchen beziehen würden und man den Jungen mehr Zeit einräumen würde. Auch, wenn sie die Büromöbel mal wieder kaum beachten, sondern mit dem Stuhl lieber herumzappeln, sollten sich die Lehrer dadurch nicht gestört fühlen, sondern sich ans Lernverhalten einzelner Schüler anpassen. Nur dann können auch Jungen in der Grundschule besser werden und sich wohler fühlen.